Vor kurzem erzählte mir meine Freundin, eine froschgebackene Mutter von dem 3 Monate alten Tom, dass sie urplötzlich einen Zusammenbruch hatte. Aus Erschöpfung konnte sie gar nicht mehr aufhören zu weinen, gefolgt von Schüttelfrost und Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen. Als selbst Schwangere in der 22 SSW war ich ganz aufgelöst von Wut und Trauer. Eigentlich war es verwunderlich, dass es so lange dauern sollte. In Erzählungen musste ich immer wieder hören, dass ihr Freund erst um 20:00 Uhr nach Hause kam und dann wohl zusätzlich drängte, dass das Kind nun aber auch schlafen müsse, so dass er sich auf seine Studien für die Ausbildung konzentrieren könne. Die Wochenenden sind desöfteren auch für die Ausbildung vorenthalten - Blockseminare in einer festen Gruppe - was soll Mann da machen?! Sehr viel meiner Meinung nach. Es macht mich sehr traurig zu erleben, dass sich in der heutigen Generation doch so wenig zu der meiner Eltern in Bezug auf Elternschaft geändert hat. Das ist natürlich auch strukturellen Bedingungen geschuldet. Über 60 % der Männer würden wohl gerne mehr Zeit in der Familie verbringen und sich um die Pflege der Kinder kümmern, lediglich 14% nehmen tatsächlich Elternzeit in Anspruch.
In dem Aufsatz "Die gespaltene Frau" von Maya Nadig, der zwar bereits 1989 verfasst wurde - mir dennoch noch sehr aktuell erscheint, beschreibt sie dass die Frau durch die Aufnahme von der Berufstätigkeit vorerst dem Mann im öffentlichen Leben gleichgestellt ist, sobald sie jedoch die Mutterschaft antritt "springt die Frau in der klassischen Rollendefinition zurück: sie versorgt den Mann, wäscht die Wäsche und kümmert sich natürlich zum größten Teil um das Kind.
Nach Nadig erlebt (wie wohl auch meine Freundin - den Erschöpfungszustand nicht außer Acht zu lassen) die Frau einen "Baby-Schock" eine tiefgreifende Krise, die Mutter kann aus zeitlichen und affektiven Gründen nicht mehr in dem Maße am öffentlichen Leben teilnehmen - und wie mir meine Freundin erklärte, stellt sie vor allem ihren Rhythmus total auf den Neuankömmling ein und verliert damit zu einem großen Teil den Bezug zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen. Kaplan spricht von einem endlosen Folge von Stillen, Halten, Wickeln und Baden.
Nach Nadig wird sie "als aktives Mitglied der Gesellschaft entmündigt". Sie spricht hier von einer Spaltung zwischen gesellschaftlichen Aktivitäten und Mutterschaft. Die Mutterschaft sei zu einer individuell psychischen Leistung geworden. Demnach passiert es auch leicht, dass das Kind zum Selbstobjekt, der narzisstischen Aufwertung der Mutter missbraucht wird bzw. die Mutter viel an eigener Bedürfnisse an das Kind delegiert. Irgendwo müssen ja die erlebten Ambivalenzen und Aggression, das mangelnde Selbsterleben, der Wegbruch von Anerkennung durch Beruf und gesellschaftlichen Engagement ausagiert werden, wenn sie nicht auf andere Art und Weise verarbeitet werden können. In fast jeder der 10 Anamnesen die bereits erfasst habe und in den Erfahrungen im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst waren das die Hauptkonflikte der Eltern - dass die Mutter in seltenen Fällen der Vater (gibt eben nicht so viele Alleinerziehende) das Kind noch in einer sehr engen symbioseähnlichen Beziehung hielt, um die Lieben und Anerkennung und den Halt zu erfahren, die es woanders nicht bekommen kann.
Dabei lehrt uns die Forschung, dass es in anderen Kulturen oder in früheren Generationen ganz anders läuft. In den südamerikanischen Bauernkulturen gewinnt die Frau durch die Mutterschaft die volle Mitgliedschaft in der Gesellschaft. Die Mutter erhält einen erweiterten Macht- und Funktionsraum in der Familie der Schwiegereltern. Die Mutterschaft bringt so größere soziale Anerkennung in der Gesellschaft und materielle Unabhängigkeit mit sich. In den ersten Monaten wird die Mutter zudem von der Schwiegermutter, Mutter und den Schwägerinnen umsorgt. Der Mann ist bei der Geburt präsent und unterstützt mit Massagen etc. Im dritten bis vierten Lebensmonat wird durch eine Zeremonie die enge Mutter-Kind-Beziehung für die Außenwelt - die öffentliche Welt geöffnet. Damit wird die Frau als Mutter mit dem Kind nicht aus dem öffentlichen Leben ausgeklammt, sondern sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens. Die Krise ist weitgehend aufgehoben, da es eine größere emotionale Teilnahme andere Personen gibt und die Alltagsanforderungen der Mutter aufgeteilt sind und nicht alleine auf ihren Schultern lasten. Negative Gefühle können durch kulturelle Sichtweisen (wie der böse Blick oder Naturgeister) nach außen projiziert werden und finden so eine Form der Abwehr.
Auch ich habe mich in den letzten Monaten stark mit dem Gedanken um eine religiöse Erziehung beschäftigt. Ich bin evangelisch erzogen worden - die Betonung liegt auf "erzogen" weil dies natürlich im ländlichen Bereich auch viel mit sozialer Kontrolle zu tun hat - den guten Ruf nicht zu verlieren etc. Dennoch kann ich mich weiterhin sehr mit vielen christlichen werten identifizieren - wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Zudem fände ich das Leben ohne eine gewisse Spiritualität sehr karg und trostlos - ja ich denke, dies ist besonders auf Kinder bezogen ein richtiger Begriff - "der liebe Gott" hat mir in meinen jungen Jahren viel Trost gespendet. Es ist ein wenig irrwitzig, aber vielleicht auch gar nicht, dass mir gerade die Serie "Transparents" in der es um viel Neuorientierung und deswegen auch Orientierungslosigkeit und Identitätssuche geht zeigte wie viel Geborgenheit und Familienzusammenhalt religiöse Rituale geben können.
Nun weiß ich ja was ich für Sicherheitsvorkehrungen treffen muss, um nicht sogleich einer Krise ausgesetzt zu sein. Vorausgesetzt mein Mann und meine Umwelt spielt mit, was ich doch mal schwer hoffen mag.
Interessant ist, dass ich nach den ersten Wochen Schwangerschaft, in denen ich an allen nur erdenklich hässlichen Schwangerschaftsymptomen litt, mich als Schwangere eher minderwertig fühlte. Erst als meine Arbeitskolleg*innen und meine Vorgesetzte sehr positiv auf die neue Botschaft reagierten regenerierte sich wieder meine Gefühl zu mir selbst und die Freude über den wachsenden Bauch verstärkte sich. Schließlich ist so eine Schwangerschaft doch ein riesiges Abenteuer mit sich selbst, einem neuen Wesen, dem Partner und der Umwelt. Frau lernt sich selbst, jeden und alles noch einmal von einer ganz anderen Perspektive kennen. Ja und dann gibt es ja auch noch den Gebärneid der Männer auf die Frauen. Wahrscheinlich kann das so manch eine Frau und manch ein Mann nicht ganz verstehen - doch mein Partner ist einer der seltenen Personen die sich dies eingestehen kann und mir zu gerne die Schwangerschaft abgenommen hätte :-) Um damit diese lange Ausführung zu beenden - es geht also viel um "sich eingestehen" ob sich selbst, der Partner, die Mitmenschen oder eben auch die Gesellschaft.
Donnerstag, 1. Dezember 2016
Samstag, 27. Februar 2016
Uns in der heutigen Zeit ferne Worte
"Um menschlich zu handeln", schreibt Butler, "muss man seine Souveränität einbüßen" und dem Anderen offen und einfühlsam begegnen.
Sonntag, 3. Januar 2016
Freitag, 16. Oktober 2015
Der oder die Eine
Soll ich nun wieder an das Schicksal glauben und an die Entscheidung zur Liebe nach Fromm...oder verirre ich mich auf meinen nichtendenden wollen Weg nach Perfektion. Ich habe heute wieder S. getroffen, meinem Sprachtandempartner. Schon vor einer Woche hat er mich mit seinem simplen Satz "get a baby" und seiner menschlichen Klarheit aufgerüttelt bzw. eher beruhigt. Ja, wahrscheinlich ist es tatsächlich so einfach. Mit 30 in einer 8-jährigen Beziehung habe ich wohl den Zeitpunkt verpasst ein Kind zu bekommen, so dass ich mich nun Frage, ob ich diese Beziehung überhaupt noch will, weil sie sich nur um sich selbst dreht. Die Verliebtheit und der rosa Schein sind verblast, zum Vorschein kommen die unschönen Seiten des anderen die ich zwar schon kannte, doch die einen mit den Jahre immer mehr auffallen. Ich war verblüfft von S. Offenheit mir gegenüber. Er kommt aus Pakistan, hat studiert, in Deutschland seinen Master gemacht und schreibt jetzt an seiner Dissertation. Seine bevorzugte Marke ist Tom Taylor, wie ich heute erfahren durfte, d. h. er kleidet sich sportlich modisch und trägt eine Brille, die ihm einen smarten Touch verleiht. Nicht zu vergessen es ist ihm wichtig, einen durchtrainiert Bauch zu haben. Dieser junge Mann wird in ungefähr einen halben Jahr heiraten. Eine Heirat die von seinen Eltern arrangiert ist. Die Frau wird aus dem Familienkreis stammen, höchstwahrscheinlich eine Cousine. Er und die Frau können die Wahl ablehnen oder jemanden anderen vorschlagen. Es hörte sich jedoch mehr danach an, dass er der Wahl seiner Eltern im Respekt vor Ihnen vertrauen wird. Dies ist der eine Teil der Geschichte - wir haben uns lange in der dunkelsten Ecke des Oberberg Café´s unterhalten, als wir merkten dass wir den sonnigen Herbsttag verpassen und uns schließlich gen untergehender Sonne in den Weinmeisterpark setzten. Ich ließ mich von seinem Zeit haben, Zeit nehmen - einer Struktur wie Zeit keine Wertigkeit zu geben anstecken. Es war schön im hier und jetzt nichts darstellen zu müssen, sondern einfach nur zu sein und Grashalme zu zupfen und zu hören wie mensch indisches Essen zubereitet. Buuh jetzt komme ich vom Thema ab. Okay, die Cousinenverheiratung in den nächsten Monaten hat mich bei einem weitgereisten jungen Menschen überrascht. Nur was mich sprachlos machte und ich kaum glauben konnte war, dass S. weder eine Beziehung noch Geschlechtsverkehr mit 29 Jahren hatte. Ich schwanke zwischen Mitleid und beeindruckt sein. Sich ohne größere Probleme aufzusparen für eine Frau mit der man bis ans Ende seiner Tage verheiratet sein wird. Was für ein Statement in der heutigen westlichen kapitalistischen Welt. Ich entgegnete, dass eine Beziehung mit einem Menschen einzugehen, doch eine sehr besondere Art der Begegnung sei und dass mensch auf diese Weise auch besser kennenlernen kann, was er bzw. sie möchte oder nicht möchte. Er widersprach, dass er dadurch immer wieder seine Freundin mit der vorherigen Partnerin vergleichen würde und somit nie zufrieden wäre. Leider ist das auch irgendwie eindeutig. Die Zuspitzung dessen drückt Eva Ilouz mit Ihrer Analyse der Partnerschaftsbörsen im Internet aus. Die Wahl wird zur Qual und zur Selbstinszenierung, ein ewiges vergleichen und verglichen werden.
Donnerstag, 24. September 2015
Erste Erklärungen zum Penisneid
In meiner Gedankenwelt ist alles so berauschend, spannend
und klug. Deswegen ist die Angst umso größer es auszusprechen oder gar zu
Papier zu bringen – da es dann auf einmal Nichtig und klein wirken könnte
Ich sehe den Penisneid darin begründet, da dass Mädchen
schon frühzeitig in der Familie/Gesellschaft erfährt, dass ein Junge mehr wert
ist, erstrebenswerter und mehr Aufmerksamkeit erhält.
Dadurch drängt sich dem Mädchen die große Frage nach dem
Warum auf, die sich durch ein Mehr an einem Körperteil begreiflich im
Kindessinne erklären lässt.
Die Mutter sieht die Geburt eines Junges auch heute noch oft
als eine narzisstische Aufwertung ihrer selbst. Dies bekommt auch die ältere
Tochter zu spüren.
Einen Penis kann der Junge herzeigen, vergleichen und in
Konkurrenz mit treten. Wahrscheinlich kommt er auch durch das nach Außen racken
des Körperteils schneller zur Erkundung und damit der Entdeckung der
Stimulierfähigkeit.
Würde dies bestätigen, dass der Mann biologisch besser
ausgestattet ist als die Frau und daher auf natürliche Weise mehr Wert.
Wenn das Mädchen nicht sogleich erkennen müsste, dass sie
nicht gleichwertig mit dem Jungen gesehen und behandelt wird, würde sich auch
nicht die unnötige Frage nach dem Warum entstehen. Junge und Mädchen wären
lediglich anatomisch unterschiedlich, was der Lustbefriedigung bzw. der
Fortpflanzung ganz dienlich scheint.
Als Ausgleich erkennt das Mädchen ihre Aufwertung darin,
dass sie erfährt, dass lediglich Frauen Kinder kriegen können und wertet die Frau
als Mutter und Trägerin des Kindes in ihrem Leib stark auf.
Dies führt bei der modernen Frau zum Konflikt. Sie will sich
als Frau nicht auf das Kinderkriegen reduzieren lassen, aber gleichzeitig
handelt es sich bei der Schwangerschaft und dem neuen Leben gebären, um eine
Fähigkeit die dem Mann nicht zu Teil wurde.
Narziß und Goldmund
Jedes Leben wird ja erst durch Spaltung und Widerspruch reich und blühend. Was wäre Vernunft und Nüchternheit ohne das Wissen vom Rausch, was wäre Sinnenlust, wenn nicht der Tod hinter ihr stünde...
Freitag, 31. Januar 2014
Psychoanalytische Erklärung von Rassismus
Ausschnitt aus "Die Geschichte vom weißen Zebra - oder: Seelische Ursprünge des Rassismus"
von Thomas Auchter
In diesem Sinne verstehe ich eine übermäige Fremdenangst ("Xenophobie") und den Fremdenhass als Symptome, als Ausdruck einer Störung der narzisstischen Regulation im Sinne einer solchen Spaltung.
Meine Hauptthese lautet dementsprechend: übermäige Fremdenangst und Fremdenhass sind aus psychoanalytischer Sicht Produkte oder Symptome einer Störung des narzisstischen Regulationssystems, mit anderen Worten einer massiven Gefährdung oder Kränkung des Selbst- bzw. Selbstwertgefühls. Daraus resultiert psychologisch betrachtet der Rassismus. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus stellen einen auf sozialer Ebene missglückenden Versuch einer Reparation von beschädigtem Narzissmus dar - durch Externalisierung und Projektion des "eigenen fremden Bösen". Dies ist auf der subjektiven, d.h. narzisstischen Ebene jedoch eine zum gegebenen Zeitpunkt "bestmögliche" und damit vorübergehend "erfolgreiche" Bemühung einer Selbst-Heilung. Da die narzisstische Wunde aber auf diese Weise nicht dauerhaft zu schließen ist, kommt es zu ständig neuen und schließlich immer monströseren Bemühungen um Selbst-Stabilisierung. Mit anderen Worten: "Der Wahn der Fremdenfeindlichkeit beziehungsweise des Rassismus macht (unbewusst) einen Sinn! " - "Wahn-Sinn".
von Thomas Auchter
In diesem Sinne verstehe ich eine übermäige Fremdenangst ("Xenophobie") und den Fremdenhass als Symptome, als Ausdruck einer Störung der narzisstischen Regulation im Sinne einer solchen Spaltung.
Meine Hauptthese lautet dementsprechend: übermäige Fremdenangst und Fremdenhass sind aus psychoanalytischer Sicht Produkte oder Symptome einer Störung des narzisstischen Regulationssystems, mit anderen Worten einer massiven Gefährdung oder Kränkung des Selbst- bzw. Selbstwertgefühls. Daraus resultiert psychologisch betrachtet der Rassismus. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus stellen einen auf sozialer Ebene missglückenden Versuch einer Reparation von beschädigtem Narzissmus dar - durch Externalisierung und Projektion des "eigenen fremden Bösen". Dies ist auf der subjektiven, d.h. narzisstischen Ebene jedoch eine zum gegebenen Zeitpunkt "bestmögliche" und damit vorübergehend "erfolgreiche" Bemühung einer Selbst-Heilung. Da die narzisstische Wunde aber auf diese Weise nicht dauerhaft zu schließen ist, kommt es zu ständig neuen und schließlich immer monströseren Bemühungen um Selbst-Stabilisierung. Mit anderen Worten: "Der Wahn der Fremdenfeindlichkeit beziehungsweise des Rassismus macht (unbewusst) einen Sinn! " - "Wahn-Sinn".
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